





15.12.2011 - Wir denken an Dich
| GedenkenIm Sommer 2009 ist es endlich geschafft. Ein toller Stein wurde extra für Dich gemacht. Er leuchtet in einem tollen Blau und kommt aus dem anderen Ende der Welt. |

Nach 2 Jahren
An meiner Trauer hat sich nichts geändert, das habe ich auch nicht erwartet. Ein Kind zu verlieren bedeutet ein Leben lang zu trauern. Was sich geändert hat ist das Reden. Es fällt mir schwer immer wieder die gleichen Fragen zu formulieren auf die niemand eine Antwort hat. Sehnsucht, Schmerz und Wut aber auch Enttäuschung über das Leben sind meine treuen Weggefährten. Wie gerne würde ich sie mal für eine gewisse Zeit am Wegesrand stehen lassen aber wie so vieles liegt auch das nicht in meiner Macht. Ich habe gelernt viel mit mir selbst auszumachen, für mich allein zu weinen, für mich allein all den Irrsinn zu ertragen. Es gibt Tage in denen ich es nicht allein schaffe und ich bin dankbar dass Freunde und Familie da sind um ein wenig von der Last mitzutragen. Aber oft stehe ich vor ihnen und würde so gerne alles aus mir heraus lassen aber kein Wort dringt über meine Lippen, weil ich einfach kein passendes finde.
Im Februar ist unser kleiner Luci zur Welt gekommen und ich bin froh dass wir uns für ein weiteres Kind entschieden haben. Auch wenn es anfänglich physisch und psychisch ein immenser Kraftakt war, es ist und bleibt die richtige Entscheidung. Luci hat unsere Dahlia nicht ersetzt, wie könnte er auch, aber er hat mir ein Stück Lebensmut zurück gegeben und manchmal habe ich das Gefühl es ist ein klitzekleines Stück Dahlia zurück auf die Erde gekommen. An manchen Tagen wenn er die gleiche entzückende Hühnerfeder auf der linken Seite trägt erscheint es mir wie ein leiser Gruß, ein kleiner Trost.
Aber es gibt Tage die könnten dunkler nicht sein. Diese Machtlosigkeit dem Ganzen gegenüber nimmt so viel Raum ein. Das Gefühl durchzudrehen weil man so Hilflos ist. Ich schlafe immer noch sehr schlecht, auch wenn es sich hier und da mal ein wenig gebessert hatte. Die Bilder verfolgen mich nicht mehr jede Nacht aber sie sind immer noch äußerst stark und schwer zu ertragen. Gerade im Dezember wenn DER Tag unaufhaltsam näher rückt und man sich der schwarzen Trauer hingeben muss, weil man keine Kraft mehr hat sie versteckt zu halten, fällt es schwer halbwegs normal zu leben. Heute vor zwei Jahren war meine kleine Welt noch perfekt. Diese Welt war wundervoll, die Welt in der meine Tochter lebte. Vielleicht gab es schon Hinweise die ich nicht richtig deutete. So sah ich sehr lange nachts zwischen unserem Schlafzimmer und der Tür zu Dahlias Zimmer eine weiße Gestalt. Ich dachte immer an Lichteinfälle, natürlich was sonst, aber manchmal war es so übermächtig das ich hastig das Licht anschlug und mit Herzklopfen im Bett saß. Als Dahlia fortging war der Nebel so dicht das er sich den ganzen Tag nicht auflöste. Und das erste was ich morgens sah war dieser undurchdringliche Nebel. Der Nebel hat sie fortgetragen. Mir weg genommen. Ein Häufchen Mama hier zurück gelassen die sich mit jeder Faser nach ihrem Mädchen sehnt.
Bald kommt er der Tag an dem sie mir genommen wurde. An diesem Tag werden wir in die Gerichtsmedizin fahren und das kleine bisschen Dahlia abholen was noch hier geblieben ist. Ein paar wenige Gewebeproben die aber ein Mamaherz nicht achtlos weggeworfen wissen will. Nein, zu kostbar sind diese kleinen Schätze die wir ganz nah bei uns, in unserem Garten, der Erde übergeben werden.
Es gibt Menschen an meiner Seite die es immer wieder schaffen mich aufzurichten. Ich danke meinem Mann für alle seine Liebe und Geduld. Das er in meinem Herzen lesen kann ohne das ich etwas sagen muss. Ich danke Isa, Tina und Nicole die mir eine tiefe und innige Freundschaft entgegen bringen und mich auffangen in dunklen Tagen. Ich danke „meiner“ Gabi die es immer wieder schafft meine Gedanken zu Recht zu rücken und mich zu tragen in meiner Trauer. Ich danke meiner Familie, die trotz kleinerer Differenzen, stets hinter uns steht. Ich danke Eric, Nicki und Luci die es manchmal gar nicht einfach haben mit mir, aber mir meine Fehler nachsehen.
Und ich danke meiner Dahlia, die mir hilft einen lebbaren Weg zu finden. Die mir immer wieder die Gewissheit gibt das sie noch bei uns ist.
Ich liebe dich Maus
