19.12.2006
An diesem Morgen kam meine Freundin Nicole, da mein Mann einen halben Tag ins Haus musste, da Dinge anstanden die nicht zu verschieben waren. Ich war so froh das Nicole kam, denn es kaum kaum auszuhalten alleine hier in diesen Räumen zu sein. Da stand das Bettchen, in dem meine Tochter gestorben war und da der Wohnzimmerteppich, auf dem wir um sie gekämpft hatten und auf dem noch einige Bluttropfen von ihr sind.
Als ich Nicole fragte, ob sie kommt, willigte sie sofort ein ohne groß nachzudenken und dass obwohl sie eine Stunde Fahrzeit benötigt um.
Nicole und ich verbindet irgendetwas. Wir kennen uns noch nicht allzu lange, aber wir denken gleich, fühlen gleich, haben die gleichen merkwürdigen Angewohnheiten und sehen uns auch ähnlich. Gespräche mit ihr tun mir unheimlich gut und auch an diesem Tag hat sie mir so viel Trost gegeben. Sie hat eine wunderschöne Dahlia-Kerze gemacht und diese zusammen mit zwei kleinen Edelstein-Engelchen mitgebracht. Einen aus Rosenquarz, den ich seit dem an meinem Herzen trage und einen aus Kristall, für Dahlia, den ich ihr ebenfalls an die Brust legen wollte.
Um 16:00 hatten wir ein so genanntes "Trauergespräch" beim Bestatter. Er hatte einen Zettel zum Ausfüllen und auch Dahlias Totenschein den die Notärztin ausgestellt hat. Da stand auf dem Zettel: "Name des Verstorbenen". Damit konnte doch nicht meine Tochter gemeint sein. "Name des Kindes", ja, das gehört zu meiner Tochter. Aber nicht "Name des Verstorbenen". Meine Tochter ist nicht verstorben, sie wurde mir einfach ungefragt entrissen. Das ganze drum herum hab ich gar nicht richtig wahr genommen, ich war viel zu beschäftigt mit „Name des Verstorbenen“ und dahinter stand tatsächlich der Name meiner Tochter - das war nicht richtig.
Zum Schluss fragte ich dann noch mal ob ich Dahlia anziehen darf und der Bestatter war sehr angetan von meinem Wunsch. Er sagte sogar er würde sie mir nach Hause bringen. Ich konnte „mein Glück“ kaum fassen das mir das möglich gemacht wurde. Wir vereinbarten den nächsten Tag nach 10:00 und er würde sie dann zu uns in den Ort in die Leichenhalle bringen und wir bekommen den Schlüssel. Wir konnten es aber nun nicht mehr geheim halten und hofften mein Bruder würde einwilligen, da es ja schließlich sein Haus ist.
Er fragte noch ob wir Dahlia sehen möchten, er habe sie draußen im Auto.
Sie war ganze Zeit ganz nah bei mir und ich wusste es nicht.
Er brachte sie dann nebenan rein und wir durften zu ihr. Ich wusste was mich nach der Obduktion erwartete, aber ich hatte nicht bedacht, dass die Äuglein dadurch etwas einfallen und dies war für uns erstmal ein Schock, weil sie ganz anders aussah. Sie hatte vorher so einen friedlichen und sanften Gesichtsausdruck, nun wirkte sie gequält und verändert. Den ganzen Mittag ließ mich das nicht in Ruhe, es hatte mir wirklich die Beine weg gezogen und das Gespräch im Anschluss mit dem Pfarrer habe ich kaum geschafft. Ich konnte kaum einen Schritt vor den anderen setzen und bekam von dem Gespräch so gut wie nichts mit. Ich war nur froh als wir endlich raus kamen. An diesem Abend hatte ich auch das erste mal wieder Hunger. Wir haben die ganzen Tage vorher so gut wie nichts gegessen.
Ich habe eigentlich nur geraucht, obwohl ich vor 4 Jahren aufgehört habe. Aber ich dachte es ist besser als mir dauernd Valium rein zu jagen. Eric und Nicki waren zwischenzeitlich auch wieder zu Hause und man musste irgendwie Alltagsdinge erledigen, obwohl ich eigentlich nichts zu Stande gebracht habe. Ich habe an diesem Abend lange überlegt ob es wirklich gut ist Dahlia anzuziehen.
Ich habe viel darüber nach gedacht und dann war er wieder da, der Drang dies für sie zu tun. Ich habe meinem Mann gesagt das wir dem Tod die Zunge heraus strecken, dass wir uns von solchen Veränderungen nicht abhalten lassen unsere Tochter so zu sehen wie sie ist, nämlich wunderschön.